Auch im Jahr 2014 war ich wieder im Riesengebirge. Eine schöne Wanderung führt von der Wiesenbaude mitten durch ein Hochmoor zur Schneekoppe. Ein großer Teil des Weges ist daher mit Bohlen ausgelegt.
Mittwoch, 12. Juli 2017
Von der Wiesenbaude zur Schneekoppe
Zum Gedenken an Dich, lieber Edgar aus dem Riesengebirge, der Du heute Deinen 95. Geburtstag feiern würdest.
Auch im Jahr 2014 war ich wieder im Riesengebirge. Eine schöne Wanderung führt von der Wiesenbaude mitten durch ein Hochmoor zur Schneekoppe. Ein großer Teil des Weges ist daher mit Bohlen ausgelegt.
Das Aupa-Moor (cz. Úpské rašeliniště), eine floristische Kostbarkeit mit einer Vegetation ähnlich der arktischen Tundra.
In den Sommermonaten ähnelt der Aufstieg zur Schneekoppe einer Völkerwanderung.
Dieses Mal ist der Zickzackweg offen, er ist anstrengender aber auch schöner als der Jubiläumsweg.
Vom Gipfel der Schneekoppe habe ich heute kein Foto, dafür aber einige vom Abstieg über den Jubiläumsweg.
Nur noch 6,5 Kilometer sind es von hier über den Kammweg nach Osten bis zu den Grenzbauden (cz. Pomezní Boudy). Das Wort "Grenzbauden" weckt in mir Anklänge an viel weiter östlich gelegene literarische Landschaften. Joseph Roth und sein "Grenzwald" kommt mir in den Sinn.
Vom Jubiläumsweg aus bietet sich ein sehr schöner Blick in den Melzergrund (p. Kocioł Łomniczki), hier mit den rosafarbenen Blütenkolben des Schlangenknöterich.
Auch im Jahr 2014 war ich wieder im Riesengebirge. Eine schöne Wanderung führt von der Wiesenbaude mitten durch ein Hochmoor zur Schneekoppe. Ein großer Teil des Weges ist daher mit Bohlen ausgelegt.
Samstag, 5. Oktober 2013
Montag, 2. September
Das Wetter ist heute nicht besonders, aber da wir auf der Rückfahrt ohnehin im Bus sitzen, macht dies nichts aus. Unser Busfahrer, derselbe, den wir auch auf der Hinfahrt von Leipzig hatten, möchte wohl über die Staatsstraße 14 nach Gablonz an der Iser (Jablonec nad Jizerou) und Reichenberg (Liberec) fahren, doch eine rote Baustellenampel, die uns auch nach langer Wartezeit den Weg partout nicht freigeben will, zwingt ihn, auf eine kurvenreiche Nebenstrecke auszuweichen. Ich fühle mich sehr an die Hinfahrt erinnert.
Sonntag, 1. September 2013
Endlich ein Ruhetag! Aber nur für mich, denn die Gruppe geht wandern, während ich mich von den beiden vorangegangenen anstrengenden Tagen ausruhen möchte. Am frühen Nachmittag steige ich aber dann doch noch einmal zur Spindlerbaude (Špindlerova bouda) auf, um einige Fotos zu machen.
Samstag, 31. August 2013
Eines der vielen historischen Fotos in der Wiesenbaude (Luční bouda) zeigt eine Frau bei der Elbequelle (Pramen Labe). Etwas förmlich steht sie mit Hut und Wanderstock an der kreisrunden Einfassung und wir können annehmen, dass sie, der Mode um das Jahr 1900 gemäß, unter ihrer Kleidung ein Korsett trägt. Damals gab es sicher noch keine Seilbahn auf den Reifträger (Szrenica) und ich wundere mich, wie es die Frau mit ihrer beengenden Kleidung auf diese Höhe geschafft hatte.
Und heute? Da bekommt man Wanderschuhe mit einer Membran, die Feuchtigkeit von innen durchläßt, aber keine Nässe hinein, Softshells als superleichte und dennoch wind- und regendichte Oberteile und Wander- oder Nordic-Walking-Stöcke aus Carbonfaser.
Eines aber galt schon immer: Die Quellen großer Flüsse, der Lebensadern jedes Landes, besitzen Symbolcharakter.
Auch wir wollen zur Elbequelle und steigen deshalb wieder auf den Riesengebirgskamm. Wir wandern ihn in westlicher Richtung. Nach einigen Kilometern kommen die Mädelsteine (cz. Dívčí kameny/p. Śląskie Kamienie) in Sicht.
Es handelt sich hier um Granitblöcke mit ihrer typischen Wollsack- und Matratzenverwitterung.
Wir legen eine kleine Rast ein.
Wo die Mädchen sind, ist in der Regel auch das männliche Geschlecht nicht fern und in der Tat erscheinen ein wenig später links am Weg die Mannsteine (cz. Mužské kameny/p. Czeskie Kamienie).
Vor uns liegt das Hohe Rad (cz. Vysoké Kolo).
Dieser Berg ist - wie die Kleine Sturmhaube - mit flechtenbewachsenen Granitblöcken übersät. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass ihn die Polen fälschlicherweise "Große Sturmhaube" (Wielki Szyszak) nennen, während die frühere schlesische "Große Sturmhaube" ein klein wenig weiter östlich oberhalb der Schwarzen Agnetendorfer Schneegrube (Czarny Kocioł Jagniątkowski) liegt und auf polnisch "Śmielec" heißt. Bis zum Jahr 2009 konnte man den Gipfel des Hohen Rades besteigen, dann wurde er aus Naturschutzgründen gesperrt. So umgehen wir ihn an der Nordflanke,
immer die ehemalige Schneegrubenbaude (p. Schronisko nad Śnieżnymi Kotłami) mit ihrem charakteristischen Turm im Blick,
die seit 1960 eine polnischen Fernsehsendeanlage beherbergt und nicht zugänglich ist. Schließlich genießen wir eine wunderbare Aussicht in die Gletscherkare der Schneegruben (p. Śnieżne Kotły).
Wie zwei Pfützen sehen von hier oben die Kochelteiche aus.
Neben der ehemaligen Schneegrubenbaude, von den Polen wegen des Aussehens auch "Wawel" genannt nach der Ähnlichkeit mit der Krakauer Burg, rasten wir.
Noch ein kleines Stück weiter und wir gehen an der Veilchenspitze (cz. Violík/p. Łabski Szczyt) vorbei.
Ein dort wachsendes Moos soll im Frühjahr einen starken Veilchenduft ausströmen. Hier sind wahre Menschenmassen auf dem Kammweg unterwegs. Schließlich führt ein gelb markierter Weg nach links zur Elbequelle. Von der Abzweigung aus hat man einen sehr schönen Blick auf den Reifträger mit der Reifträgerbaude (Schronisko Szrenica).
Über uns ein Wolkenspiel von seltener Schönheit.
Nach einem kurzen Spaziergang befinden wir uns an der Quellfassung.
Der Besucherandrang ist ähnlich stark wie auf der Schneekoppe. Die meisten Menschen sind wohl mit dem Lift vom polnischen Schreiberhau (Szklarska Poręba) auf den Reifträger gefahren und die wenigen Kilometer ohne nennenswerten Höhenunterschied bis hierher gelaufen. 28 Städte an der Elbe, 14 tschechische und 14 deutsche, sind hier mit ihren Wappen verewigt.
Nun folgt nur noch ein kurzer, nicht sehr steiler Abstieg bis zur Elbfallbaude (Labska bouda).
Der häßliche Betonklotz wurde 1975 eröffnet und ersetzt ein Gebäude, das im Jahr 1965 abbrannte.
Sehr glücklich scheint man heute nicht mehr damit zu sein, denn der Bau verfällt zusehends. Wir suchen zuerst das Restaurant auf, aber nachdem längere Zeit keine Bedienung erscheint, verköstigen wir uns schließlich im Selbstbedienungsbuffet. Ich gönne mir eine lange scharfe Wurst. Sie ist so scharf, dass der Senf im Vergleich dagegen geradezu milde schmeckt. Nach unserem Mahl brechen wir zu einem kurzen Abstecher an den Aussichtspunkt über dem 45 Meter hohen Elbfall auf.
Danach geht es, zuerst in Serpentinen, später geradlinig, mit Blaustrich in den Elbgrund (Labský důl) hinunter.
Den Weg ließ Graf Harrach im Jahr 1879 anlegen. Mehrere Bäche, darunter der Pudelgrundbach (Pudlava),
fließen den Hang hinab und münden in den "Elbseifen", wie der Bach bis zum Zusammenfluss mit dem Weißwasser an der Jägerhütte (Myslivna) in Spindlermühle heißt. 4 Kilometer führt der Weg recht mühsam über Steine, bis er ein Teersträßchen erreicht. Nicht weit entfernt von der Jägerhütte haben fleißige Hände neben dem Flussbett unzählige "Steinmandeln" aufgetürmt.
Das soll Glück bringen. "Rübezahls Kinder" scheint mir für diese vergänglichen Kunstwerke – das nächste Hochwasser spült sie mit fort – der passende Name. Wir kehren schließlich in der Jägerhütte ein.
Zahlreiche Wildtierfelle "schmücken" die Wände. Das Preisniveau in diesem Restaurant ist für tschechische Verhältnisse recht hoch. 50 Kronen kostet ein halber Liter Bier, aber viel mehr als 2 Euro zahle ich in meiner oberfränkischen Heimat auch nicht dafür. Andere Getränke und das Essen sind ähnlich hochpreisig. Den Ort zu besuchen lohnt aber, entsteht doch hier die Elbe aus dem Zusammenfluss von Elbseifen und dem längeren und wasserreicheren Weißwasser. Als wir das Lokal verlassen, beginnt es leicht zu regnen. Doch wir haben es nicht mehr weit bis zu unserer Bushaltestelle. Nach diesem schönen aber anstrengenden Tag – vor allem der Abstieg durch den Elbgrund hatte es in sich – erreichen wir kurz vor 17 Uhr wieder unser Quartier.
Es handelt sich hier um Granitblöcke mit ihrer typischen Wollsack- und Matratzenverwitterung.
Wir legen eine kleine Rast ein.
Dieser Berg ist - wie die Kleine Sturmhaube - mit flechtenbewachsenen Granitblöcken übersät. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass ihn die Polen fälschlicherweise "Große Sturmhaube" (Wielki Szyszak) nennen, während die frühere schlesische "Große Sturmhaube" ein klein wenig weiter östlich oberhalb der Schwarzen Agnetendorfer Schneegrube (Czarny Kocioł Jagniątkowski) liegt und auf polnisch "Śmielec" heißt. Bis zum Jahr 2009 konnte man den Gipfel des Hohen Rades besteigen, dann wurde er aus Naturschutzgründen gesperrt. So umgehen wir ihn an der Nordflanke,
Wie zwei Pfützen sehen von hier oben die Kochelteiche aus.
Neben der ehemaligen Schneegrubenbaude, von den Polen wegen des Aussehens auch "Wawel" genannt nach der Ähnlichkeit mit der Krakauer Burg, rasten wir.
Ein dort wachsendes Moos soll im Frühjahr einen starken Veilchenduft ausströmen. Hier sind wahre Menschenmassen auf dem Kammweg unterwegs. Schließlich führt ein gelb markierter Weg nach links zur Elbequelle. Von der Abzweigung aus hat man einen sehr schönen Blick auf den Reifträger mit der Reifträgerbaude (Schronisko Szrenica).
Über uns ein Wolkenspiel von seltener Schönheit.
Nach einem kurzen Spaziergang befinden wir uns an der Quellfassung.
Nun folgt nur noch ein kurzer, nicht sehr steiler Abstieg bis zur Elbfallbaude (Labska bouda).
Den Weg ließ Graf Harrach im Jahr 1879 anlegen. Mehrere Bäche, darunter der Pudelgrundbach (Pudlava),
fließen den Hang hinab und münden in den "Elbseifen", wie der Bach bis zum Zusammenfluss mit dem Weißwasser an der Jägerhütte (Myslivna) in Spindlermühle heißt. 4 Kilometer führt der Weg recht mühsam über Steine, bis er ein Teersträßchen erreicht. Nicht weit entfernt von der Jägerhütte haben fleißige Hände neben dem Flussbett unzählige "Steinmandeln" aufgetürmt.
Das soll Glück bringen. "Rübezahls Kinder" scheint mir für diese vergänglichen Kunstwerke – das nächste Hochwasser spült sie mit fort – der passende Name. Wir kehren schließlich in der Jägerhütte ein.
Samstag, 28. September 2013
Freitag, 30. August 2013
Unsere heutige Wanderung führt uns über den Böhmischen Kamm. Mit dem Bus fahren wir herunter nach Spindlermühle (Špindlerův Mlýn) und nehmen dort den Sessellift auf den Schüsselberg (Medvědín). In Richtung Nordwesten gelangen wir mit Gelbstrich/Rotstrich über ein Hochmoor (Schweinepfütze/Svinské louže) in kurzer Zeit zum Aussichtspunkt Šmídova vyhlídka. Sein Name erinnert an Ludwig Schmitt (1841-1895), der als Förster bei Johann Graf von Harrach beschäftigt war. Dank des guten Wetters können wir von der Schneegrubenbaude (Schronisko nad Śnieżnymi Kotłami) im Norden bis zum Heuschober (Stoh) im Südosten alles überblicken. Auch die Schneekoppe (cz. Sněžka/p. Śnieżka) zeigt sich uns heute. Wir stoßen schließlich auf die zwischen 1934 bis 1936 gebaute Masaryk-Straße (Masarykova silnice), der wir ein Stück bergauf folgen. Oberhalb des Gletscherkars der Großen Kesselgrube (Velká Kotelni jamá) liegen die Harrachsteine (Harrachovy kameny),
von denen man einen schönen Ausblick auf den Hauptkamm des Riesengebirges hat.
Links die Veilchenspitze (cz. Violík/p. Łabski Szczyt), in der Mitte die ehemalige Schneegrubenbaude (Schronisko nad Śnieżnymi Kotłami). Vorbei an Rübazahls Rosengarten (Růženčina zahrádka), einem Steinkreis am Nordhang der Kesselkoppe (Kotel), über dessen Alter sich die Archäologen bis heute nicht im Klaren sind, laufen wir weiter zu den Hofbauden (Dvoračky).
Links die Hofbaude, deren heutiger Zustand aus dem Jahr 1928 stammt. Rechts die neue Stumpebaude (Štumpovka). Ihre Geschichte kann man der Website der heutigen Eigentümer entnehmen. Danach stand an dieser Stelle ursprünglich ein Wirtschaftsgebäude, das im Jahr 1930 von Herrn Stumpe gekauft wurde. Nach der Nutzung als Touristenherberge während der kommunistischen Herrschaft brannte das Gebäude 1990 aus unbekannten Gründen aus. Die Brandstätte wurde von der tschechischen Nationalparkverwaltung eingeebnet. 1991 erwarb der Onkel der heutigen Eigentümer die Hofbaude, im Jahr darauf auch das Nachbargrundstück mit der Brandstätte. Im Jahr 2000 ging beides an die heutigen Besitzer über. Sie versuchten zuerst, die Hofbaude ganzjährig zu bewirtschaften, was aber schließlich an den zunehmend strengeren Hygienenormen scheiterte. Der Ausweg war die Errichtung eines völlig neuen Gebäudes, das Ende 2008 eröffnet wurde und zu Ehren des damaligen Besitzers den Namen Stumpebaude (Štumpovka) trägt.
Hier legen wir unsere Mittagsrast ein. Für mich gibt es heute wieder einmal Heidelbeerknödel.
Nachdem wir uns gestärkt haben, gehen wir etwa 300 Meter auf unserem Weg wieder zurück bis wir zur Abzweigung eines mit Grünstrich markierten Weges kommen. Diesem folgen wir und steigen - teils über Serpentinen - durch den unteren Teil der Kesselgruben (Kotelní jámy) ab.
Bei den Oberen Schüsselbauden (Horní Mísečky) erreichen wir die Starkenbachbaude (Jilemnická bouda), wo wir eine Rast einlegen. Mit Rotstrich führt unser Weg weiter bergab nach Friedrichsthal (Bedřichov), einem Ortsteil von Spindlermühle (Špindlerův Mlýn). Ein Taxi, das auch nicht viel teurer als der Bus ist, bringt uns zu unserem Quartier. Damit haben wir heute etwa 17 Kilometer zurückgelegt.
von denen man einen schönen Ausblick auf den Hauptkamm des Riesengebirges hat.
Links die Veilchenspitze (cz. Violík/p. Łabski Szczyt), in der Mitte die ehemalige Schneegrubenbaude (Schronisko nad Śnieżnymi Kotłami). Vorbei an Rübazahls Rosengarten (Růženčina zahrádka), einem Steinkreis am Nordhang der Kesselkoppe (Kotel), über dessen Alter sich die Archäologen bis heute nicht im Klaren sind, laufen wir weiter zu den Hofbauden (Dvoračky).
Donnerstag, 19. September 2013
Donnerstag, 29. August 2013
Ein Traumwetter! Offiziell haben wir heute unseren freien Tag, was aber unsere beiden Wandergruppen nicht davon abhält, ihre Touren durchzuführen. Ich dagegen will mein Ziel, die Schneekoppe zu besteigen, in die Tat umsetzen.
Um 8:40 Uhr breche ich auf. Den steilen Aufstieg östlich der Spindlerbaude gehe ich langsam an, es macht mir nichts aus, wenn mich dabei andere Wanderer überholen.
Viele sind es um diese frühe Zeit noch nicht.
Am Mittagstein (cz. Polední kámen/p. Słonecznik) lege ich eine kurze Rast ein.
Im Licht der noch niedrig stehenden Sonne sind die Inschriften an der "Körber-Bank" besonders gut sichtbar.
"Riesengebirge, deutsches Gebirge" heißt es im Riesengebirgslied. Diese Zeiten sind längst passé. Und doch höre ich bei den vielen Wanderern, die mir auf dem Kammweg begegnen, immer wieder einmal deutsche Worte. Überwiegend sind es Menschen im Rentenalter oder kurz davor. Dagegen wandern sehr viele junge Polen und Tschechen den Kammweg, selbst ganze Familien oder auch jüngere Paare, bisweilen von einem Hund begleitet. Man grüßt sich freundlich auf Tschechisch mit "Dobry den", Polnisch mit "Dzień dobry" oder noch kürzer einfach mit "Dobry". Bald bin ich wieder am Großen Teich (Wielki Staw). Heute leuchtet er in diesem tiefen Blau, das ich aus den Fotos im Internet bereits kenne.
Der Kleine Teich (Mały Staw) glitzert in der schon etwas höher stehenden Sonne.
Die Kleine Teichbaude heißt auf Polnisch "Schronisko Samotnia". "Samotnia" bedeutet soviel wie Abgeschiedenheit oder Einöde. Als Ludwig Richter den Kleinen Teich im Jahr 1839 malte, mochte das noch zutreffen. Heute ist davon nichts mehr zu spüren.
Sowohl die Kleine Teichbaude als auch die etwas höher gelegene Hampelbaude (Schronisko Strzecha Akademicka)
sind willkommene Einkehrmöglichkeiten für den Wanderer, der dort auch übernachten kann. Wie gerne wäre ich vom Kammweg zum Kleinen Teich abgestiegen und ein wenig an seinem Ufer entlangspaziert. Leider habe ich dafür keine Zeit. Auch die Abzweigung zur Wiesenbaude (Luční bouda) bleibt heute ungenutzt. Schon längst ist die Schneekoppe (cz. Sněžka/p. Śnieżka) in Sicht, sie beschleunigt meine Schritte. Schließlich geht es wieder etwas bergab, auf das Schlesierhaus (Schronisko Dom Śląski) zu.
Schon kommen von links ganze Horden von Turnschuhtouristen. Sie sind von Krummhübel (Karpacz) auf der polnischen Seite mit dem Lift zur Kleinen Koppe (Malá Kopa) heraufgeschwebt.
In einer guten Viertelstunde sind sie am Schlesierhaus, ich brauchte dafür drei Stunden.
Vor dem Haus steht ein wahrer Schilderwald.
Es ist bald Mittag, ich schaue kurz hinein, der Gastraum ist fast leer.
Kein Wunder, denn die meisten Besucher wollen auf den Gipfel der Schneekoppe. Von ganz oben, aus einem kleinen Dachgaubenfenster, schaut dem seltsamen Treiben ein Husky zu.
Gerne wüßte ich, was er über die Menschenmassen denkt, die hier vorbeikommen. Aber wahrscheinlicher ist, dass er sich schon auf den kommenden Winter freut, an den er aufgrund seiner aus dem nördlichen Sibirien stammenden Vorfahren bestens angepasst ist. Ich gehe weiter und mir fällt auf, dass der Zickzackweg auf den Gipfel seltsam unbenutzt wirkt. Kein Wunder, er ist gesperrt.
So bleibt mir nichts anderes übrig als den längeren aber dafür weit weniger steilen Jubiläumsweg (Droga Jubileuszowa) auf den Gipfel zu benutzen. Seinen Namen hat er von der Einweihung anlässlich der 25-Jahrfeier des Riesengebirgsvereins im Jahr 1905. Vom Jubiläumsweg aus habe ich einen sehr schönen Blick in den Melzergrund (Dolina Łomniczki). Vor allem dessen oberer Teil (Kocioł Łomniczki) ist sehr eindrucksvoll.
Etwas weiter oben zweigt nach links die Fortsetzung des Kammweges in Richtung Grenzbauden (Pomezní Boudy) ab.
Links des Weges liegt die polnische, rechts die tschechische Seite. Nur noch 6,5 Kilometer sind es bis zu den Grenzbauden, einem Ortsteil von Klein Aupa (Malá Úpa) und dem Ende des Kammweges.
Kurz danach packt mich der erste Schreck. Die häßliche Liftstation der vom tschechischen Petzer (Pec pod Sněžkou) hockommenden Seilbahn taucht auf. Sie ist schon seit längerer Zeit nicht in Betrieb, aber es wird daran gearbeitet.
Rechter Hand steht noch so ein häßlicher Klotz mit Aussichtsterrasse. Es ist das tschechische Postamt.
Da gefällt mir das links gelegene Denkmal schon besser.
Endlich bin ich wieder auf der Schneekoppe! Die Schneekoppe, die der Zobten in Paul Kellers "Bergkrach" als "ale Gake" (alte Gans) beschimpft hatte. Mehr als 35 Jahre liegen zwischen meinen beiden Besuchen. Auch damals war es nicht ganz leicht, den Gipfel zu erreichen. Als wir den Massenbetrieb an der Talstation des Lifts in Krummhübel (Karpacz) sahen und uns ausrechnen konnten, dass bis zur Auffahrt noch etwa zwei Stunden vergehen würden, zogen wir es vor, per Pedes aufzusteigen. Einmal auf dem Gipfel, durften meine Mutter und ich die polnisch-tschechische Landesgrenze aber nicht überqueren. Wir hielten uns nur kurz dort auf und wurden sofort von einem Grenzer zurückgewiesen. "Wie schön, dass sich die Zeiten geändert haben", denke ich. Aber nein, die Menschen haben sich geändert. Und das ist das Positive!
Von meinem damaligen Besuch erinnere ich mich noch gut an die dem heiligen Laurentius geweihte Gipfelkapelle und gleich daneben die polnische Baude, die wie ein Ufo aussieht.
Auf den Bänken davor genießen die Menschen den wunderbaren Ausblick in den Talkessel von Hirschberg (Jelenia Góra) bei strahlendem Sonnenschein.
Ich gehe wieder ein wenig auf die tschechische Seite zurück, um einen Blick in den Riesengrund (Obří důl) zu werfen. Durch ihn könnte man, sehr gute Kondition vorausgesetzt, von Petzer zur Schneekoppe aufsteigen.
Der Blick von der Schneekoppe in Richtung Westen ist grandios.
Fünf Wege treffen sich am Schlesierhaus. Der erste, auf dem Foto nicht mehr sichtbare, führt vom Riesengrund herauf. Der zweite kommt von der Wiesenbaude, der breite mittlere ist der Kammweg, auf dem ich kam, rechts davon befindet sich der Zugang von der Kleinen Koppe und ganz rechts am unteren Bildrand der Weg aus dem Melzergrund. Ich schaue noch einmal in Richtung Krummhübel und wundere mich ein wenig über den großen Gebäudekomplex. Er beherbergt ein erst vor ein paar Jahren erbautes Luxushotel mit fast 900 Zimmern.
Der Trubel auf dem Gipfel der 1602 Meter hohen Schneekoppe ist schon heftig. Und das an einem Werktag Ende August. Vielleicht sollte ich im November einmal wiederkommen ... Schließlich mache ich mich, zusammen mit vielen anderen, wieder an den Abstieg. Ebensoviele begegnen uns auf ihrem Weg zum Gipfel.
Ein rennender Sportler mit seinem Hund überholt mich, er war mir schon beim Aufstieg begegnet. Ich kann es kaum glauben, aber am Schlesierhaus schaut der Siberian Husky wieder (oder immer noch?) aus seinem Fenster, obwohl inzwischen etwa zweieinhalb Stunden vergangen sind.
Es ist jetzt etwa 13:40 Uhr und ich bin auf dem Rückweg. Bald befinde ich mich wieder oberhalb des Kleinen Teiches. Beunruhigend dunkel blickt zu mir herauf.
Am Mittagstein gehe ich jetzt vorbei, denn der Himmel zieht sich hinter mir in Richtung Schneekoppe immer mehr zu.
Der Blick nach Westen wirkt beruhigender.
Knapp oberhalb der Spindlerbaude drehe ich mich noch einmal um.
Es sind nur noch einige hundert Meter, aber zu spät. Zuerst tröpfelt es nur, um schließlich kurz vor der Baude in eine wahre Sturzflut überzugehen. Fünf Minuten lang stelle ich mich unter das Vordach am Eingang. Zum Glück läßt der Regenschauer nach und ich kann weiter laufen. Gegen 16:40 Uhr schließlich bin ich wieder an der Erlebachbaude.
23 Kilometer bei einem Auf- und Abstieg von je etwa 450 Metern habe ich heute zurückgelegt. Es war recht anstrengend, aber dieses Erfolgserlebnis kann mir niemand nehmen.
Im Licht der noch niedrig stehenden Sonne sind die Inschriften an der "Körber-Bank" besonders gut sichtbar.
"Riesengebirge, deutsches Gebirge" heißt es im Riesengebirgslied. Diese Zeiten sind längst passé. Und doch höre ich bei den vielen Wanderern, die mir auf dem Kammweg begegnen, immer wieder einmal deutsche Worte. Überwiegend sind es Menschen im Rentenalter oder kurz davor. Dagegen wandern sehr viele junge Polen und Tschechen den Kammweg, selbst ganze Familien oder auch jüngere Paare, bisweilen von einem Hund begleitet. Man grüßt sich freundlich auf Tschechisch mit "Dobry den", Polnisch mit "Dzień dobry" oder noch kürzer einfach mit "Dobry". Bald bin ich wieder am Großen Teich (Wielki Staw). Heute leuchtet er in diesem tiefen Blau, das ich aus den Fotos im Internet bereits kenne.
Der Kleine Teich (Mały Staw) glitzert in der schon etwas höher stehenden Sonne.
Die Kleine Teichbaude heißt auf Polnisch "Schronisko Samotnia". "Samotnia" bedeutet soviel wie Abgeschiedenheit oder Einöde. Als Ludwig Richter den Kleinen Teich im Jahr 1839 malte, mochte das noch zutreffen. Heute ist davon nichts mehr zu spüren.
Es ist bald Mittag, ich schaue kurz hinein, der Gastraum ist fast leer.
Kein Wunder, denn die meisten Besucher wollen auf den Gipfel der Schneekoppe. Von ganz oben, aus einem kleinen Dachgaubenfenster, schaut dem seltsamen Treiben ein Husky zu.
Gerne wüßte ich, was er über die Menschenmassen denkt, die hier vorbeikommen. Aber wahrscheinlicher ist, dass er sich schon auf den kommenden Winter freut, an den er aufgrund seiner aus dem nördlichen Sibirien stammenden Vorfahren bestens angepasst ist. Ich gehe weiter und mir fällt auf, dass der Zickzackweg auf den Gipfel seltsam unbenutzt wirkt. Kein Wunder, er ist gesperrt.
So bleibt mir nichts anderes übrig als den längeren aber dafür weit weniger steilen Jubiläumsweg (Droga Jubileuszowa) auf den Gipfel zu benutzen. Seinen Namen hat er von der Einweihung anlässlich der 25-Jahrfeier des Riesengebirgsvereins im Jahr 1905. Vom Jubiläumsweg aus habe ich einen sehr schönen Blick in den Melzergrund (Dolina Łomniczki). Vor allem dessen oberer Teil (Kocioł Łomniczki) ist sehr eindrucksvoll.
Etwas weiter oben zweigt nach links die Fortsetzung des Kammweges in Richtung Grenzbauden (Pomezní Boudy) ab.
Der Blick von der Schneekoppe in Richtung Westen ist grandios.
Fünf Wege treffen sich am Schlesierhaus. Der erste, auf dem Foto nicht mehr sichtbare, führt vom Riesengrund herauf. Der zweite kommt von der Wiesenbaude, der breite mittlere ist der Kammweg, auf dem ich kam, rechts davon befindet sich der Zugang von der Kleinen Koppe und ganz rechts am unteren Bildrand der Weg aus dem Melzergrund. Ich schaue noch einmal in Richtung Krummhübel und wundere mich ein wenig über den großen Gebäudekomplex. Er beherbergt ein erst vor ein paar Jahren erbautes Luxushotel mit fast 900 Zimmern.
Der Trubel auf dem Gipfel der 1602 Meter hohen Schneekoppe ist schon heftig. Und das an einem Werktag Ende August. Vielleicht sollte ich im November einmal wiederkommen ... Schließlich mache ich mich, zusammen mit vielen anderen, wieder an den Abstieg. Ebensoviele begegnen uns auf ihrem Weg zum Gipfel.
Am Mittagstein gehe ich jetzt vorbei, denn der Himmel zieht sich hinter mir in Richtung Schneekoppe immer mehr zu.
Der Blick nach Westen wirkt beruhigender.
Mittwoch, 28. August 2013
Mit einem Wetterumschwung muss man im Riesengebirge immer rechnen. Aber der kann natürlich auch besseres Wetter bringen. So war es heute früh bewölkt und etwas trüb, dennoch wurde es bis zum Nachmittag ein sonniger Tag.
Kurz nach 9 Uhr fährt unsere Gruppe mit dem Bus hinunter nach Spindlermühle. Vom Ortsteil St. Peter (Svatý Petr) aus bringt uns ein viersitziger Sessellift in etwa 12 Minuten auf das Hochplateau des Planur (Pláň).
Über den mit 1195,8 Meter höchsten Punkt der Ebene, den Přední Planina, wandern wir mit Blaustrich knapp einen Kilometer nach Süden und biegen dort nach links in den grün markierten Weg ab, um kurz danach die Planurbaude (Bouda na Pláni) zu erreichen.
Es heißt, dass sich hier im Jahr 1944 Offiziere der deutschen Wehrmacht unter der Leitung des Grafen von Stauffenberg trafen, um das Attentat auf Hitler vorzubereiten. Ob er hierbei auch die Sprengsätze in Empfang nahm, die am 20. Juli 1944 in der Wolfsschanze bei Rastenburg in Ostpreussen explodierten, ist fraglich, wird aber wiederholt kolportiert. Schließlich kommt die Gruppe der Keilbauden (Klínové boudy) in Sicht.
Im August 2008 wurde bei den Bauden auch eine Informationstafel aufgestellt.
Die Keilbaude (Klínová bouda) brannte 1970 aus, in der Nähe entstand die Neue Keilbaude (Nová Klínovka), auch als Chata Tesla bezeichnet.
Unterhalb der Bauden hat der Keilbach (Klínový potok) ein Kerbtal wie aus dem Lehrbuch geschaffen. Ganz oben jenseits des Keilbachs (links vom Bildrand) liegen die Friesbauden (Friesovy Boudy).
Wir steigen bis zur Schutzhütte Klínovka auf, rasten dort einen Augenblick und machen dann einen Abstecher zum nur einen Kilometer entfernten Restaurant "Chalupa na Rozcestí". Ich bin ein wenig durchgefroren und finde deshalb das Innere mit dem brennenden Kaminofen, über dem man feuchte Anoraks zum Trocknen aufhängen kann, sehr anheimelnd.
Die kulinarischen Renner unserer Gruppe sind Heidelbeerknödel
und Palatschinken mit Obst und Schlagsahne. Ich brauche dringend etwas Heißes und gönne mir deswegen eine Kohlsuppe. Mit 45 Kronen (etwa 1,75 Euro) bin ich dabei. Als wir die Hütte wieder verlassen hat die Schneekoppe für kurze Zeit ihre Wolkenhaube abgenommen.
Wir wandern wieder hinunter zur Schutzhütte und schließlich mit Blaustrich an der Ostflanke des Heuschober (Stoh) entlang, mit atemberaubender Aussicht in den Langen Grund (Dlouhý důl), zweifellos der unbestrittene Höhepunkt des heutigen Tages.
Über mehrere Serpentinen geht es weiter abwärts und schließlich kommt St. Peter (Svatý Petr) in Sicht.
Mehrere Bäche kreuzen unseren Weg bis wir schließlich knapp oberhalb der Talstation des Lifts zum Planur herauskommen. Wir kürzen beträchtlich ab und laufen das steile Stück über die Skipiste hinunter. Der Weg von St. Peter bis zur Bushaltestelle in Spindlermühle ist dann nicht mehr der Rede wert. Unser Bus fährt um 15:30 Uhr ab und etwa 20 Minuten später sind wir wieder an unserem Quartier angelangt.
Es heißt, dass sich hier im Jahr 1944 Offiziere der deutschen Wehrmacht unter der Leitung des Grafen von Stauffenberg trafen, um das Attentat auf Hitler vorzubereiten. Ob er hierbei auch die Sprengsätze in Empfang nahm, die am 20. Juli 1944 in der Wolfsschanze bei Rastenburg in Ostpreussen explodierten, ist fraglich, wird aber wiederholt kolportiert. Schließlich kommt die Gruppe der Keilbauden (Klínové boudy) in Sicht.
Die Keilbaude (Klínová bouda) brannte 1970 aus, in der Nähe entstand die Neue Keilbaude (Nová Klínovka), auch als Chata Tesla bezeichnet.
und Palatschinken mit Obst und Schlagsahne. Ich brauche dringend etwas Heißes und gönne mir deswegen eine Kohlsuppe. Mit 45 Kronen (etwa 1,75 Euro) bin ich dabei. Als wir die Hütte wieder verlassen hat die Schneekoppe für kurze Zeit ihre Wolkenhaube abgenommen.
Wir wandern wieder hinunter zur Schutzhütte und schließlich mit Blaustrich an der Ostflanke des Heuschober (Stoh) entlang, mit atemberaubender Aussicht in den Langen Grund (Dlouhý důl), zweifellos der unbestrittene Höhepunkt des heutigen Tages.
Mehrere Bäche kreuzen unseren Weg bis wir schließlich knapp oberhalb der Talstation des Lifts zum Planur herauskommen. Wir kürzen beträchtlich ab und laufen das steile Stück über die Skipiste hinunter. Der Weg von St. Peter bis zur Bushaltestelle in Spindlermühle ist dann nicht mehr der Rede wert. Unser Bus fährt um 15:30 Uhr ab und etwa 20 Minuten später sind wir wieder an unserem Quartier angelangt.
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